Was ist eigentlich Neurorehabilitation?

Zwei Therpeutinnen und ein Rehabilitand im Gangtrainer

Foto: Jon Hoekstra

 

Der Begriff Rehabilitation leitet sich von dem lateinischen „Habilitare“ oder „Habilis“ ab, das sich mit „fähig machen“ oder „Wiederherstellen“ übersetzen lässt. In seiner ursprünglichen Wortverwendung im Mittelalter bedeutete Rehabilitation, eine Person wieder umfassend in seine alten Rechte einzusetzen.

Ebenso weitgreifend ist auch die heutige Definition von Rehabilitation. Im SGB IX ist Rehabilitation definiert als: „Alle Leistungen für Menschen mit Behinderung, um ihre Selbstbestimmung und ihre volle, wirksame und gleichberechtigte Teilhabe am Leben in der Gesellschaft zu fördern, Benachteiligungen zu vermeiden oder ihnen entgegenzuwirken.“

Rehabilitation umfasst demnach erstens eine medizinisch-therapeutische Dimension und zielt auf die möglichst vollständige Beseitigung körperlicher Einschränkungen, die durch eine Krankheit oder einen Unfall ausgelöst wurden. Zweitens soll Rehabilitation die Teilhabemöglichkeiten von Menschen mit Behinderung an der Gesellschaft stärken und verbessern. Diese doppelte Bedeutung spiegelt sich in der International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF) der WHO wider, die Grundlage für die moderne Rehabilitationsarbeit ist.

 
Ergotherapeutin mit Rehabilitand an der Holzwerkbank
 

Die Ziele der Neurorehabilitation

Ziel der neurologischen Rehabilitation ist es, gemeinsam mit den Rehabilitandinnen und Rehabilitanden vorliegende Beeinträchtigungen im Bereich der Aktivitäten des täglichen Lebens (ADL-Funktionen), körperliche Beeinträchtigungen oder auch kognitive Beeinträchtigungen so zu behandeln, dass ein möglichst selbstständiges Leben möglich ist – auch wenn dies nicht in jedem Fall vollständig gelingt. Dafür arbeiten in jeder Phase der neurologischen Rehabilitation Ergo- und Physiotherapie, Logopädie, Neuropsychologie, Sozialarbeit, Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegekräfte zusammen. Diese Berufsgruppen können auf unterschiedliche Maßnahmen zurückgreifen.Der erste Schritt ist die „Reha-Diagnostik“, mit deren Hilfe zunächst festgestellt wird, welche Funktions- und Teilhabeeinschränkungen bei einem Betroffenen überhaupt vorliegen. Anschließend wird mit den Rehabilitanden besprochen, welche individuellen Ziele sie mit der Rehamaßnahme verfolgen. Dies ist die Grundlage für die Erarbeitung eines Rehabilitationskonzepts. Darin werden unterschiedliche Methoden kombiniert: Im Kern geht es um das wiederholte Training von Funktionsabläufen, von alltagsbezogenen Fähigkeiten wie zum Beispiel Essen, Trinken, sich Anziehen oder Freizeitgestaltung. Darüber hinaus werden neurokognitive Fähigkeiten wie das Gedächtnis, die Aufmerksamkeit oder die Selbstorganisation wieder eingeübt. Dem angeschlossen werden kann darüber hinaus eine berufliche Rehabilitation.

 
Aussenansicht des Therapiezentrums mit hell erleuchteten Fenstern
 

Das Besondere an der Post-Akuten Neurorehabilitation

Die Post-Akute Neurorehabilitation ist ein spezielles Konzept, dass so nur im P.A.N. Zentrum der Fürst Donnersmarck-Stiftung angeboten wird. Hier werden Menschen rehabilitiert, die nach dem Abschluss ihrer medizinischen, stationären Rehabilitation zwar noch nicht selbstständig leben können, aber bei intensiver Förderung noch ein weitergehendes Rehabilitationspotential haben. Dese Menschen befinden sich in der Regel in Phase E des Phasenmodells der neurologischen Rehabilitation und haben einen Barthel-Index zwischen 25 und 65. Im speziellen Setting des P.A.N. Zentrums erhalten sie die Möglichkeit, im Rahmen einer bis zu 18 Monate andauernden Langzeitrehabilitation ihr Rehabilitationspotential voll auszuschöpfen und nochmals erhebliche Verbesserung ihrer Teilhabefähigkeiten zu erreichen.

Die Besonderheit des P.A.N. Konzeptes ist die Verbindung einer intensiven Therapie von 12,5 Stunden in der Woche mit einer pädagogischen Alltagsbetreuung. Die Neuro-Pädagogen im P.A.N. Zentrum begleiten die Rehabilitandinnen und Rehabilitanden in ihrem Alltag, trainieren mit ihnen die während den Therapien erworbenen Fähigkeiten und können den Therapeutinnen und Therapeuten im P.A.N. Zentrum darüber hinaus zurückmelden, welche Fähigkeiten in den Therapien besonders berücksichtigt werden sollten. Da die Rehabilitandinnen und Rehabilitanden dabei aktiv mitarbeiten müssen und zunehmend Eigeninitiative ergreifen sollen, ist ihre Motivation eine Grundvoraussetzung für das Gelingen der Rehabilitation.

Darüber hinaus bietet die Architektur und die Umgebung des P.A.N. Zentrums den Rehabilitandinnen und Rehabilitanden ein Wohnumfeld mit möglichst weitgehender Privatheit. Nach oftmals langer Zeit in der Klinik erleben die Menschen hier wieder Selbstwirksamkeit und Autonomie. Auf diese Weise können sie die passive Patientenrolle schrittweise ablegen und wieder Eigenaktivitäten und eigene Ziele entwickeln. Aus diesem Grund können im P.A.N. Zentrum noch an einem Punkt Fortschritte erzielt werden, an dem die stationäre Rehabilitation nicht mehr weiterkam.

 

Haben Sie noch weitere Fragen? Ist etwas unklar? Suchen Sie nach einem Rehabilitationsangebot für Ihre Angehörigen? Dann nehmen Sie mit uns Kontakt auf.

 
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